29. Mai 2026

Block 2 – Stehplätze im Süden als Chance für alle
Seit Anfang dieser Woche ist der Prozess in vollem Gange, den auch wir als Fandachverband bereits vor einiger Zeit gefordert haben: Der Block 2 im Süden unseres Stadions wird im Sommer zum Stehplatzblock umgebaut. Das erhöht nicht nur die Kapazität des Stadions an sich, sondern bietet auch große Chancen für unsere Fanszene. Da sowohl die Umwandlung des Blocks allgemein als auch der jetzige Wechselprozess vom Norden in den Süden für Fragen und Diskussionen gesorgt haben, möchten wir uns im Folgenden kurz dazu äußern.
Die Idee, einen zusätzlichen Stehplatzblock zu erschaffen, hat logischerweise mehrere Gründe. Oftmals wird diese Neuerung auf das Thema Fahnen verkürzt und so dargestellt, als sollten lediglich diejenigen Fans, die in der Nordkurve stehen und mit dem seit einigen Jahren vergrößerten Fahnenbild unzufrieden sind, nun in den Süden „verfrachtet“ werden. Das ist so aber natürlich nicht richtig.
Vielmehr geht es auch darum, dass seit mittlerweile 14 Jahren kaum noch eine realistische Chance auf Dauerkarten-Stehplätze für junge Fans besteht, da die Dauerkartenkapazität von rund 30.000 Plätzen dauerhaft vergeben ist und eine Eintragung auf der Warteliste inzwischen viele Jahre Warterei bedeutet. Wir müssen wohl nicht groß ausführen, welche Probleme das für neue Generationen von Fans mit sich bringt.
Dabei müssen wir gar nicht die älteren Semester unserer Fanszene fragen, wie sie damals ihre Fankarriere gestartet haben: Selbst die Generation Anfang 30 konnte sich noch problemlos im jugendlichen Alter ihre Dauerkarte für den Stehplatzbereich der Nordkurve im Fanshop holen und so Fankarrieren starten, die bis heute andauern, in die aktive Fanszene führten und die Grundlage für erste Auswärtsfahrten und vieles mehr bildeten.
Wie Geschäftsführer Markus Aretz auf der letzten Mitgliederversammlung richtigerweise ausgeführt hat, sind solche Entwicklungen seit vielen Jahren kaum noch möglich. Einerseits ist das natürlich erfreulich, weil es für unsere Fanszene spricht, dass bestehende Fans ihrer Borussia auch in schwierigen Zeiten treu bleiben und dauerhaft am Ball bleiben. Das soll auch in Zukunft unbedingt so bleiben.
Andererseits muss es selbstverständlich der Anspruch des Vereins und auch von uns als Fanszene sein, jungen Fans wieder Wege in die Nordkurve zu ebnen, damit neue Generationen enger und langfristiger an Borussia gebunden werden können. Das funktioniert nicht dauerhaft über sporadische Tageskartenkäufe über den Zweitmarkt, sondern nur über eine langfristige Bindung durch Dauerkarten.
Gleichzeitig ist es natürlich auch so, dass sich innerhalb der Nordkurve – wie überall im Leben – über die Jahre Veränderungen und Generationenwechsel vollziehen. Auf die besagte Fahnenthematik möchten wir an dieser Stelle gar nicht allzu groß eingehen. In den vergangenen zwei Jahren wurden dazu unzählige Gespräche geführt und inzwischen
Kompromisse gefunden, die sicherlich nicht immer zur hundertprozentigen Zufriedenheit aller Beteiligten funktionieren, bei denen uns das Feedback vieler alteingesessener Fanclubs und Fans aus den oberen Bereichen aber zeigt, dass hier zuletzt ein gangbarer Weg gefunden wurde. In der Natur der Sache liegt es, dass es sowohl Fans gibt, die gerne noch stärker als in der abgelaufenen Saison auf Elemente wie Fahnen setzen wollen würden, als auch diejenigen, denen es nach wie vor zu viel ist.
Bei der gesamten Debatte geht es ausdrücklich nicht darum, Fans – unabhängig von Alter oder Hintergrund –, die sich weiterhin im Herzen der Nordkurve sehen und gewillt sind, sich aktiv am Support zu beteiligen, in irgendeiner Weise verdrängen zu wollen. Vielmehr geht es darum, denjenigen Fans eine neue Möglichkeit zu bieten, die vielleicht schon länger mit der aktuellen Situation unzufrieden sind oder sich aus anderen Gründen gerne neu orientieren möchten. Da sämtliche Blöcke im Unterrang der Nordkurve – also auch die Blöcke 13, 14 und 18 – seit Jahren voll sind und keine Wechselmöglichkeiten bieten, stellt der neue Block 2 nun genau die Ausweichmöglichkeit dar, auf die viele gewartet haben dürften.
Uns ist dabei vollkommen bewusst, dass vielen ein Wechsel aus der Nordkurve schwerfallen wird, weil man sich dort heimisch fühlt und der Süden des Stadions zunächst nicht als gleichwertiger Ersatz wahrgenommen wird. Dennoch können wir an dieser Stelle nur an alle appellieren, dieser Idee mit einer gewissen Offenheit zu begegnen und gemeinsam dazu beizutragen, dass dieses Projekt erfolgreich werden kann. Dass es keine Schande ist, den über Jahrzehnte bewohnten Stehplatz zu verlassen, um neuen Generationen die Chance auf ihre Fankarriere zu geben, zeigen zig Größen unserer Fanszene, die bereits auf die Sitzplätze gewechselt sind.
Der Block 2 ist nun eine Chance, genau das auch umsetzen zu können, wenn man weiter stehen möchte. Er ist dabei bewusst als eine Art Oldschool-Block gedacht, in den vor allem Fans aus der Nordkurve wechseln sollen, die sich dort im zentralen Stehplatzbereich nicht mehr sehen. Fahnen während des Spiels sollen dort bewusst nicht eingesetzt werden dürfen, neue Dauerkarten an bisher Nicht-Dauerkartenbesitzer wird es dort nicht geben. Stattdessen soll sich der Block 2 zu einem lautstarken Gegenpart zur Nordkurve entwickeln, der künftig insbesondere Wechselgesänge und ähnliche Elemente wieder stärker tragen und beleben kann. Wenn wir als Fanszene es schaffen, einen solchen Oldschool-Block dort zu formen, der den in den letzten Jahren Unzufriedenen in der Nordkurve eine neue Heimat gibt, gleichzeitig die Stimmung ankurbelt und jungen sowie neuen Fans die Chance auf die lang ersehnte Dauerkarten gibt, ist das am Ende ein Gewinn für uns alle.
Genau deshalb möchten wir abschließend nochmals betonen, dass sich niemand angegriffen fühlen muss: Wer sich weiterhin im Zentrum der Nordkurve sieht, der soll dort selbstverständlich auch bleiben. Wem ein Wechsel, aus welchen Gründen auch immer, vorschwebt, der hat durch den neuen Block 2 eine gute Gelegenheit, Teil einer positiven Entwicklung zu werden.