Samstag 15:30 Uhr - und wie geht’s Euch so?

Nach einer Länderspielpause freut man sich für gewöhnlich wieder auf den Vereinsfußball, besonders nach einer solchen und den englischen Wochen vor der Brust, die in Liga, im Pokal und in Europa Spannung versprechen. Borussia macht derzeit Freude. Nur findet eben alles ohne uns statt, ohne die gewohnten Riten am Spieltag und das Zusammenstehen in der Kurve.

 

Nadine von den „Borussia Fanatics 1900“ beschreibt im Folgenden ihre Gemütslage und spricht da Vielen aus der Seele. Wie geht es Euch Samstag 15:30 Uhr, wie geht es Euch, wenn Borussia gerade spielt? Verfolgt Ihr das Spiel am Fernseher oder im Radio? Gibt es neue Riten oder gar Dinge zur Kompensation? Wie wird es für Euch sein, wenn wir eines Tages in die Stadien zurückkehren? Was erwartet Ihr? Schreibt uns Eure Gedanken an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! !


„Leere Stadien, Geisterspiele, eine Pandemie hat uns voll im Griff

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich für meinen Teil war seit sage und schreibe 8 Monaten nicht mehr im Stadion. Durch die ganzen Maßnahmen (ob sie gut oder schlecht sind soll hier nicht zur Diskussion stehen) wurde mir ein komplettes Hobby geklaut, und ein tiefes Loch in meiner Freizeitgestaltung klafft seit Monaten und wird einfach nicht geschlossen.
Ich vermisse es so sehr.

Das Wochenende hatte immer ein Highlight. Es gab immer einen Grund, sich montags auf der Arbeit schon aufs Wochenende zu freuen. Sei es beim Heimspiel in der Kurve zu stehen, mitzusingen, Bekannte treffen. Gemeinsam Spaß haben, gemeinsam anfeuern, gemeinsam mitsingen, freuen, ärgern, fluchen und auch traurig sein. Aber vor allem GEMEINSAM den Alltag ein kleines bisschen vergessen. Abschalten. Mal nicht an die ganze Scheiße denken.

Und jetzt? Da hat uns die ganze Scheiße komplett im Griff.  Ich vermisse es so sehr im Sonderzug auswärts zu fahren. Stundenlang im Stau zu stehen, um nach dem Auswärtsspiel auf die Autobahn zu kommen (ja sogar das fehlt mir), neue Stadien entdecken, neue Leute kennen lernen und immer wieder über das eine Thema zu quatschen: Unsere Borussia.

Und jetzt? Sitze ich am Wochenende auf der Couch und schaue mir das Spiel im Fernseher an. Und wenn ich ehrlich bin, es macht mir keinen Spaß. Es fehlen die Fans im Stadion. Sie fehlen sogar, wenn man „nur“ fern sieht.  Ich vermisse es vor dem Spiel im Block zu stehen und die Minuten zu zählen, bis das Spiel endlich los geht, die Blockflöte lesen, Tipps auf das Ergebnis abgeben und hoffen, dass mir einer ein Bier mitbringt, weil ich selber keine Lust habe runter zu laufen. Ich vermisse das grüne Licht, die versifften Toiletten und ich vermisse es, mit allen anderen „Die Seele brennt“ zu singen.

Und jetzt? Da wird schnell in der WhatsApp-Gruppe die Aufstellung gepostet und kommentiert, da macht man sich alleine sein Bier auf, und man springt nicht mal mehr auf, wenn ein Tor fällt, weil es alleine einfach keinen Spaß macht.  Für manche ist es vielleicht nicht nachzuvollziehen, für mich als Fan ist es eine große Lücke in meinem Leben. Eine Lücke voller Fanclubkameraden, Auto-, Bus- und Zugfahrten, lustige, traurige, aufregende Erlebnisse, eine Lücke voller Emotionen und vielen Erinnerungen, die wir gemeinsam erlebt haben.

Doch auch neue Erinnerungen müssen ab und zu geschaffen werden. Doch aktuell sieht es nicht so aus, als wenn wir bald wieder in die Stadien dürften. Wir werden also weiterhin Spiele vor leeren Rängen sehen, am Wochenende zu Hause Fußball schauen müssen, unser Hobby weiter vermissen müssen. Und auch wenn es schwer ist, und immer schwerer und scheinbar unerträglicher wird. Wir werden es schaffen. Und irgendwann stehen wir wieder alle GEMEINSAM im Block und können den ganzen Scheiß, der dann hinter uns liegt, vergessen.

Ich hoffe sehr, dass es bald ist, denn ich vermisse mein „altes“ Leben, und ich vermisse meine Borussia.

Nadine“