Pfeifen wir eben aus der Ferne

Im November bleiben die Ränge in den Stadien erst mal wieder leer, so auch heute im BORUSSIA-PARK. Englische Wochen mit vielen Heimspielen stünden für die Fans an. Nach dem sehr guten Auftritt gegen keinen geringeren als Real in Europa geht es heute in der Liga weiter, gegen einen Gegner, der eben nicht ist wie jeder andere.


Warum? Wir schreiben das Jahr 2009, in der ein Unternehmen auch den Fußball als Marketing-Plattform für sich entdeckte. Formel 1, Extremsportarten, es gab schon einige Bereiche, in der es sich tummelte, um für sein Produkt zu werben. Doch nun sollte auch des Deutschen liebste Sportart herhalten. Schon länger war man auf der Suche, doch alle angefragten Traditionsvereine lehnten ein Übernahmeangebot ab. Als nichts anderes kann man dies bezeichnen, wenn man sich die Bedingungen vor Augen führt, etwa in Bezug auf die Mehrheitsverhältnisse, die Änderungen von Vereinsfarben, -wappen und sogar -namen. Fündig wurde man dann im nordwestsächsischen Markranstädt, wo der örtliche SSV gerade in der fünftklassigen Oberliga Nordost spielte.


Schnell mal die 1. Herrenmannschaft übernommen, und dann fast jährlich mit exorbitanten Summen schnurstracks in die nächsthöhere Liga gekauft, als ob es kein finanzielles Fairplay, und erst recht keine 50+1-Regel gäbe. Neben den optischen Winkelzügen etwa beim Vereinslogo, das die Herkunft nun nicht gerade verschleiert, fragt man sich bis heute, wie all dies bei den bestehenden Statuten von statten ging, oder besser, von statten gehen durfte. Im fünften Jahr bereits befindet sich der Brauseclub in der Bundesliga und belegt von Beginn die vorderen Plätze. Aus unserer Sicht eine klare Wettbewerbsverzerrung gegenüber allen solide und aus eigener Kraft wirtschaftenden Vereinen, ein nicht nachvollziehbarer und möglicherweise rechtswidriger Verstoß gegen die 50+1-Regel.


Dem „Aber sie spielen doch so toll, sie sind doch erfolgreich. Lasst doch mal gut sein!“ kann man nur entgegnen: „Nein!“ Es ist eben kein Club wie jeder andere, kein Club, der sich einen großen Sponsor geangelt hat. Es ist genau umgekehrt: ein Wirtschaftsunternehmen, das Spieler, Angestellte und vor allem ihren Anhang als Werbefläche benutzt, um den Konsum einer zuckerlastigen Brause zu steigern. Ein Unternehmen BESITZT einen Club und bestimmt ohne jegliche Mitspracherechte etwaiger Mitglieder. Von daher sind wir nicht müde, auf diesen Missstand hinzuweisen. Wären wir heute in der Nordkurve, es gäbe unseren bewehrten Protest, verbunden mit dem Hinweis auf das, was uns ausmacht, den Traditionsverein seit 1900. Und pfeifen, ja das tun wir in den ersten 19 Minuten aus der Ferne. Wie passend ist es, dass Borussia ausgerechnet gegen RB ein Traditionstrikot präsentiert und ganz in Schwarz den Rasen betritt? Übrigens: Selbiges konnte heute in limitierter Auflage bei Borussia erworben werden. Als ob der stolze Preis nicht hoch genug wäre, wird das Trikot umgehend auf bekannten Auktionsplattformen zu Geld gemacht. Man konnte es sich im Vorfeld schon denken, von daher an alle „Händler“: schämt Euch!


120 Jahre Borussia, dieses Jubiläum konnte in diesem Jahr eh nur bedingt gefeiert werden. Um so mehr drücken wir ab 18:30 Uhr die Daumen. Auf geht’s Borussia – 3 Punkte für die Tradition!