CL-Auslosung und Derbytime – alles anders als normal

Das Fanherz würde in diesen Tagen besonders stark schlagen, normalerweise. Gestern die Auslosung zur Gruppenphase in der Champions League 2020/21, deren Teilnahme sich Borussia durch ihre herausragende Leistung in der Vorsaison redlich verdient hat. Morgen das Derby in der verbotenen Stadt.


Doch in Zeiten der Coronavirus-Pandemie ist alles anders. Recht unterschiedlich geht man damit im Fanlager um: Die einen interessieren sich überhaupt nicht, weil der Fußball unter den derzeitigen Bedingungen eben so überhaupt nicht der ist, den sie kennen und schätzen. Andere nehmen die aktuellen Entwicklungen recht emotionslos wahr. Es gibt aber eben auch wiederum solche, die zumindest all das an Informationen aufsaugen und alles an Teilhabe mitnehmen, was unter den gegebenen Bedingungen möglich ist. Und so verfolgten eben doch einige die gestrige Auslosung in Nyon, dem Hauptort des schweizer Kantons Waadt und unter der Berner Herrschaft übrigens auch mal unter der Bezeichnung „Neuss“ zu finden, mit Spannung. Die furchtbar aufgeblähte Präsentation als Ganzes war es weniger, spannend war aber eben doch der Moment, in dem die Kugel mit Borussias Namen gezogen wurde.


Diese befand sich im Lostopf 4, der erst am Ende der quälend langen Schau in den Mittelpunkt trat, und sie war denn auch fast die letzte, die gezogen wurde. Durch die vielen Vorgaben, die die Auslosung sehr stark limitieren, stand die Gruppe im entscheidenden Augenblick bereits fest. Was für eine starke Gruppe, in der Borussia  neben dem ukrainischen Meister FK Schachtar Donezk auf den spanischen Meister Real Madrid Club de Fútbol und den Zweiten der Serie A, dem Football Club Internazionale Milano S.p.A., trifft! Bei beiden, Real und Inter, hat Borussia noch eine Rechnung offen.


Unvergessene Spiele aus glorreichen Zeiten, in der Fanseele tief verankert. Wer sie nicht live erlebt hat, hat die Geschichten schon zigfach in sich aufgesogen, hier, im März des Jahres 1976, das „gestohlene Wunder“ im Estadio Santiago Bernabeu, dort der legendäre Büchsenwurf auf dem Bökelberg im Oktober 1971. Boninsegna, oh Mann! Ach, was könnte man sich da alles einfallen lassen für einen gewaltigen Support, eine illustre Choreo inklusive! All das wird es in der sonst möglichen Form nicht geben, ebenso wenig wie eine Auswärtstour in zwei der bekanntesten Stadien Europas, zumal das altehrwürdige San Giro in Mailand in naher Zukunft einem neuen Fußballtempel weichen wird. Es wäre also eine der letzten Möglichkeiten, sich einen Groundhopper-Punkt zu ergattern, und das mit einem Spiel der Borussia.


Doch all das Jammen nützt nichts, ist es aus verständlichen und relevanten Gründen derzeit schlicht nicht möglich, genauso wenig wie der Besuch des Derbys, für gewöhnlich der Höhepunkt einer jeden Saison. Wie heute bekanntgegeben wurde, sind zur morgigen Partie in *öln nun gar keine Zuschauer zugelassen. Der maßgebliche Wert, die 7-Tage-Inzidenz, liegt bei 36,9 und damit knapp über der vereinbarten Grenze von 35. Und so folgt auf das letzte Derby im März, dem ersten Geisterspiel in der Bundesliga, erneut ein solches. Neben Borussia, die ohnehin ohne Schlachtenbummler antritt, muss sich nun auch der ÄffZeh auf ein Spiel ohne eigenen Anhang einstellen. Leere Ränge also: Chancengleichheit könnte man meinen, in jedem Fall alles andere als ein Derby, auf das die Fans hüben wie drüben unter normalen Umständen jetzt hinfieberten. Wie dem auch jetzt sei: drei Punkte morgen dürfen gerne dabei rausspringen.