100 Jahre Don Hennes

Am 05. Dezember 1919 geboren, wäre Hennes Weisweiler jetzt 100 Jahre alt geworden. Wer war unser alter Meistertrainer? Egal was darauf geantwortet wird: Für Borussia Mönchengladbach war er weit mehr! Er war der Begründer der Fohlen-Elf. Er war der Meistermacher. Er war so viel für unseren Verein – man kann es nur anreißen und umschreiben.

 


Als Spieler und Spielertrainer in Köln, als Trainer beim RSV in Rheydt, als Co-Trainer von Sepp Herberger für Deutschland kam er danach 1964 zur Borussia. Mit ihm entstand etwas Neues am Bökelberg: Junge Talente, frisches Blut, wilder Offensivfußball. Aber auch Disziplin, Taktik, ein neuer Geist kehrte ein. Lieber ein 6:4 als ein 1:0. Er formte aus vielen jungen Talenten unsere Fohlen-Elf, jung und ungestüm.

Ich sehe folgende  Klassiker-Bilder: Schwarz-weiß gepunktetes Hemd, hellblau-dunkelblauer Puma-Trainingsanzug,  Meisterschale mit Lachen, UEFA-Pokal mit grau-braunem Parka, Stabwechsel an Udo Lattek, Blumen, humpelnder Gang, laute Schnauze am Spielfeldrand, Streit mit Günter Netzer, Vermittlung von Berti Vogts,  Selbsteinwechslung Netzer im Pokalfinale, knurriges Gewähren, Trainerbank mit Beyer, Grashoff, Gerhardts, Drygalsky. Schalen, Pokale, Baumwolltrikots, Glockenläuten, der Hannen-Alt-Doppeldecker-Bus.

Ich erinnere mich an die Verabschiedung von Hennes Weisweiler als Borussia-Trainer 1975: Ein sonniger Tag, Sieg gegen Braunschweig, Meisterschaft. Hennes humpelte die Ehrenrunde hinter dem Sponsor-Pumakäfig her. Ich war 9 Jahre alt, und mein Vater neben mir im Stadion hatte Tränen in den Augen. Alle um mich herum ebenso. Da war mir bewusst: er war wirklich ein Segen für Borussia. Wir waren Provinz, wir sind eventuell Provinz, wir bleiben vielleicht Provinz. Fluch und Segen. Aber Weisweiler hob uns sportlich derart hoch. Unfassbar. In den 70er Jahren besser als die Bayern. Europaweit die Könige, weltweit neidvoll anerkannt. Das ganze mit einem Mini-Etat und zu kleinem Stadion. Wenn wir heute singen, daß wir „von Borussia kommen“, dann hat er es auf den Weg gebracht.

Nach den Stationen Barcelona, New York, Zürich starb er leider viel zu früh 1983. Ich stand bei der Einweihung der Hennes-Weisweiler-Allee im Nordpark neben seiner Witwe und seinem Sohn und hatte tiefe Ehrfurcht. Jung und Alt sollten einmal jährlich mit dem Mannschaftsbus an sein Grab fahren und ihm das Vereinslied singen und „Danke“ sagen. Danke dafür, dass er uns auch Jahre und Jahrzehnte später noch ein Bett aus Sympathie und Anerkennung und Erfolgen geebnet hatte, wofür wir lange beneidet wurden und werden. Tradition kann man nicht kaufen, man muss sie sich verdienen und  erarbeiten. Dies hat Hennes Weisweiler bei Borussia in wunderbarer Weise erreicht. Der ganze Verein profitiert noch heute überregional davon!

Der FPMG Supporters Club wird ihm stets ein ehrendes Andenken erhalten. Gracias Don Hennes – oder wie wir hier im Rheinland sagen: Ne schöne Jrooss!!! Möge er sich gerade jetzt zum 100-jährigen an seiner Erbschaft als Tabellenführer erfreuen! Timing ist (fast) alles.