Aufklärung tut Not

In dieser Woche prasselte eine Menge auf Borussia und ihre Fanszene ein. Neben der sportlichen Situation sorgen Ereignisse rund um das Spiel für Aufregung, zum Teil auch zu Recht für Entsetzen. Die einzelnen Geschehnisse jedoch werden teils völlig falsch dargestellt, teils unnötig vermischt.



Auf diese Weise entsteht ein Gesamtbild, bei dem Außenstehende den Eindruck erlangen könnten, in Mönchengladbach herrschen Sodom und Gomorrha. Das ist allerdings überhaupt nicht der Fall, im Gegenteil: es gibt sehr positive Entwicklungen, die in der gesamte Berichterstattungen völlig untergehen. Aus der Fülle an Aufregern wollen wir exemplarisch 4 Punkte auswählen, um für Aufklärung zu sorgen:

1)    Sonderzug nach München: Über den schrecklichen Vorwurf wurde viel berichtet, das Verfahren geht seinen rechtsstaatlichen Gang. Unser Mitgefühl gilt dem Opfer. Sollte sich der Vorwurf bestätigen, bleibt allerdings festzuhalten, dass es sich um einen kriminellen Einzeltäter handelt und er eben nicht spiegelbildlich für eine sexistische Fanszene steht. Selbst das öffentlich-rechtliche Fernsehen lässt sich in der aktuellen Sexismusdebatte trotz besseren Wissens zu einem reißerischen Beitrag hinreißen, der die Situation auf Fußballreisen völlig falsch darstellt. Von dem genannten Vorfall abgesehen, war der privat organisierte Sonderzug nach München ein überaus gelungener. Selbst die eingesetzten Sicherheitskräfte lobten den friedlichen Ablauf der Fahrt, an der unterschiedliche Fangruppierungen in Harmonie miteinander teilnahmen. Umgekehrt bedanken wir uns bei den eingesetzten Kräften für ihr besonnenes und umsichtiges Vorgehen. Der Vorfall hätte auf jedem anderen Zug passieren können, auf dem keine Fußballfans unterwegs waren, bsplw. auf einer Kegeltour oder einer Fahrt zum Oktoberfest. Die Gladbacher Fanszene hat jedenfalls kein Sexismusproblem, Sonderzüge sind zudem kein rechtsfreier Raum, wie die Berichterstattung vieler Medien der Öffentlichkeit glauben machen will. Wir rufen alle Fans der Borussia dazu auf, sensibel mit der Thematik umzugehen, und auch zukünftig wachsam zu bleiben und couragiert einzugreifen, wenn es nötig erscheint. Was in der Vergangenheit immer war, soll und wird auch weiterhin gelten.

2)    Ultras: Die öffentliche Darstellung ist verzerrt und wird unserer Ultraszene nicht gerecht. Fakt ist: Grenzüberschreitungen gehören zur Jugendkultur, ob im Fußball oder außerhalb. Solche in gewalttätigen Ausprägungen werden von uns jedoch scharf verurteilt. Grundsätzlich können wir allerdings sagen: unsere Fanszene hat kein Ultraproblem, sondern vielmehr ein Kommunikationsproblem, geprägt von Vorurteilen und anonym geführten Diskussionen in den sozialen Netzwerken. Das schiefe Bild entsteht auch durch den in der Wahrnehmung asymmetrischen Disput, weil sich diejenigen, die sich im Kreuzfeuer von Kritik und Anschuldigungen befinden, oft nur spärlich oder gar nicht zu Wort melden. Wir würden es also begrüßen, wenn Handeln, Vorhaben und Ziele, die die Interessen aller aktiven Fans betreffen, zukünftig besser kommuniziert werden.

3)    Causa Yann Sommer: Eigene Spieler anzumachen, geht gar nicht. Dies verurteilen wir auf das Schärfste. Aber: auch hier war die Berichterstattung der allermeisten Medien völlig an der Realität vorbei. Die Bilder nach dem Herthaspiel zeigen nicht die Person, die Sommer angegangen ist, sondern jemanden, der in der Situation vermitteln wollte. Intern sind wir in der Diskussion, die Selbstregulierung zeigt bereits Wirkung, und wir hoffen, derartige Auswüchse nicht mehr zu sehen. Wir appellieren an ALLE, den Schwachsinn zu lassen!

4)    Zum Sportlichen und der Erwartungshaltung der Fans: Bei denjenigen, die sich durch Borussias jüngste Erfolge angezogen fühlen, mag dies anders sein. Der Großteil der langjährigen Alles- und Vielfahrer hat hingegen keine unrealistischen Erwartungen. Der Europapokal ist für uns jedes Mal ein Geschenk, aber keine Pflicht. Was wir aber wollen, ist ein ehrlicher und leidenschaftlicher Fußball. Das darf man wohl trotz erkennbarer Verletzungsmisere zum Ausdruck bringen.